Mein erstes Auto
"Heinzi"
Nachdem ich am 13.12.1995 meine Führerscheinprüfung erfolgreich bestanden hatte,
mußte ein Auto her. Ich nervte meine Eltern jeden Tag: Ich brauche ein Auto. Und schon nach 8
Tagen war es soweit. Mein Vater hatte schon ein paar Gebrauchtwagenmärkte abgeklappert und stellte
mich vor die Wahl: Entweder einen schwarzen Seat Marabella oder einen rostbraunen D-Kadett.

Da ich nicht eine kleine "Schweinekiste" (oder "Elefantenrollschuh") fahrern wollte, einschied ich
mich für den
Kadett.
Datenblatt
Hersteller: Adam Opel AG
Typ: Kadett
Baureihe: D
Baujahr: 1984
Farbe: rostbraun
Hubraum: 1,3l
Leistung: 60 PS
km-Stand: 104000 (laut Tacho)
Sonderausstattung:
» beige Innenausstattung,
» Velour-Sitze,
» Lederimitat an den Türverkleidungen,
» Stahlschiebedach
Mit dem "Kaddi" ging es dann los. Jeden Tag fuhr ich mit ihm zu Schule und war irgendwie stolz.
Aber schon nach zwei Wochen passierte mit das erste Ding: Auf dem letzten Bisschen wegtauenden
Schnee rutschte ich in einer Kurve und durch falsches Bremsen aus ihr heraus... und traf ein
Geländer. Juhu! Mein erster Unfall - und das Auto hatte auch was abbekommen. Die Stossstange
war geknickt und das dahinterliegende Blech hatte eine große Beule. Ich sammelte mein Kennzeichen
ein und war erstmal zu Tode betrübt.
Gottseidank habe ich einen handwerklich begabten Vater und wir reparierten den Kaddi ohne
Einsatz von Ersatzteilen. Das Blech sah zwar hinterher immernoch etwas "gerunzelt" aus -
aber das machte nicht allzuviel aus.
Meine Kumpels hatten in der Zwischenzeit auch den Führerschein gemacht und so fuhren wir jeden
Tag mit unseren Verbrauchtwagen durch unsere Stadt - so wie es sich gehört - 3 Mann, 3 Autos.
Der Kaddi schluckte fröhlich seine 10 bis 13 Liter. Meisten eher letzteres. Denn wir fuhren: 1. schnell,
2. noch schneller und 3. der Kaddi hatte eine(n) "Choke".
Da der Sprit damals unter 70 Cent kostete war das kein Problem.
Wie gesagt: wir heizten. Und so kam wie es kommen musste: Auf einer längeren Tour über Land ließ
ich einen Kumpel fahren. Bei 90 in einer 60er-Kurve musste er bremsen und wir machen fast einen
360 und landeten auf der Innenseite neben der Fahrbahn. Wieviel Schwein wir hatten das niemanden etwas passierte,
erfuhren wir ein paar Tage später: Zwei oder drei Tage vor dem
Dreher wurden die Bäume auf der Seite neben der Fahrbahn gefällt und der Straßengraben
eingeebnet.
Nur der Kaddi hatte wieder was abbekommen. Er fuhr nicht mehr geradeaus, da die
Spur verstellt war. An einem Schweller hatte er außerdem eine kleine Beule, da wir eine Seitenbarke
umgemäht hatten. Aber für Reparaturen war erstmal kein Geld da, und so fuhr so ich weiter.
Im Sommer ging es dan zum ersten Mal mit dem eigenen Auto an die Ostsee. Auf der Fahrt merkte
ich wie schlecht die Stossdämpfer des Kaddi´s doch waren, und ich beschloss im vorn ein Paar
neue zu gönnen...
Die erste Reparatur
Ich suchte eine kleine private Werkstatt auf, in der Hoffnung mein Auto dort günstig reparieren
lassen zu können. Man sagte mir: "Ja so 350 Mark, aber wenn Sie Gasdruckstossdämfer von Monroe
haben wollen kostet das auch nur 50 Mark mehr". Also, nahm ich natürlich das Markenprodukt.
Die große Überaschung kam dann bei der Abholung. Ich hatte vorsorglich schon etwas mehr Geld
mitgenommen, aber es reichte lange nicht. "Wir brauchten wesentlich länger. Eines der Federbeine
ließ sich nicht lösen. Das scheint gar nicht vom D-Kadett zu sein. Ich weiss auch nicht wie
die das da rein bekommen haben. Ihre Spurstange mussten wir auch tauschen. Und den Kilometerstand
auf dem Tacho können Sie getrost vergessen. Das macht dann 850 Mark.", meinte der
Mechaniker. Na, danke!
Das Ende
Am 7. Dezember 1997 (6 Tag vor Ablauf der Probezeit meines Führerscheins) kam
ich gerade vom Ku'damm zurück, wo wir (meine damalige Angebetete, ein Kumpel und ich) gerade im
Kino gewesen waren. Ich war stinke-sauer, weil die Beiden - meiner Meinung nach - sich zu
köstlich amüsierten.
Nach einem Zwischenstopp bei Mc Doof kurz vor der Stadtgrenze passierte es
dann: Ich fuhr auf eine Kreuzung zu, die immernoch Grün zeigte. Kurz vor der Kreuzung schaltete sie
auf rot. Leider bemerkte ich dies nicht, meine Insassen schon. Niemand traute sich aber, mich darauf
hinzuweisen oder wenigstens zu brüllen.
Es kam, wie es kommen musste: Mich traf ein von links
kommendes Fahrzeug.
Der kleine Lancia prallte vorn
in dern Kaddi (jeweils mit etwa 50 km/h unterwegs), wurde seitlich weggeschleudert und

traf uns
nocheinmal hinten auf der Fahrerseite.
Gottseidank gab es keine Schwer-Verletzten: Mein Kumpel hatte nur die
Apfeltasche , welche er sich gerade gekauft hatte, zerdrückt (die sind bei Mc Doof immer tierisch
heiß!) und die junge Frau neben mir hatte ein Schleudertrauma. Mir tat noch eine Woche der Rücken weh.
Wie sich herausstellte wollte der Fahrer des anderen Wagen diesen kaufen und befand sich gerade auf einer
kleinen Probefahrt.
Wie knapp ich einem möglichen tötlichen Verletzungen entgangen bin, wurde mir erst viel später bewußt:
Nur 0,2 Sekunden später
wäre mir das andere Auto wohl direkt in die Tür gefahren, die keinen nennenswerten Widerstand
geleistet hätte.
Im nachhinein kann ich meine Entscheidung, den Kadett zu kaufen nur dankbar sein, denn der kleine Seat hätte

diesen Unfall wohl noch schlechter überstanden (und somit auch wir).